vrijdag 6 december 2013

Johann Peter Eckermann -- 6 december 1829

Sonntag, den 6. Dezember 1829.
[...] Wir sprachen über die Figur des Baccalaureus. „Ist in ihm,“ sagte ich, „nicht eine gewisse Klasse ideeller Philosophen gemeint?“ „Nein,“ sagte Goethe, „es ist die Anmaßlichkeit in ihm personifiziert, die besonders der Jugend eigen ist, wovon wir in den ersten Jahren nach unserm Befreiungskriege so auffallende Beweise hatten. Auch glaubt jeder in seiner Jugend, daß die Welt eigentlich erst mit ihm angefangen, und daß alles eigentlich um seinetwillen da sei. Sodann hat es im Orient wirklich einen Mann gegeben, der jeden Morgen seine Leute um sich versammelte und sie nicht eher an die Arbeit gehen ließ, als bis er der Sonne geheißen, aufzugehen. Aber hierbei war er so klug, diesen Befehl nicht eher auszusprechen, als bis die Sonne wirklich auf dem Punkt stand, von selber zu erscheinen.“

Wir sprachen noch vieles über den Faust und dessen Composition sowie über verwandte Dinge.

Goethe war eine Weile in stilles Nachdenken versunken; dann begann er folgendermaßen.

„Wenn man alt ist,“ sagte er, „denkt man über die weltlichen Dinge anders, als da man jung war. So kann ich mich des Gedankens nicht erwehren, daß die Dämonen, um die Menschheit zu necken und zum besten zu haben, mitunter einzelne Figuren hinstellen, die so anlockend sind, daß jeder nach ihnen strebt, und so groß, daß niemand sie erreicht. So stellten sie den Raffael hin, bei dem Denken und Tun gleich vollkommen war; einzelne treffliche Nachkommen haben sich ihm genähert, aber erreicht hat ihn niemand. So stellten sie den Mozart hin, als etwas Unerreichbares in der Musik. Und so in der Poesie Shakespeare. Ich weiß, was Sie mir gegen diesen sagen können, aber ich meine nur das Naturell, das große Angeborene der Natur. So steht Napoleon unerreichbar da. Daß die Russen sich gemäßigt haben und nicht nach Konstantinopel hineingegangen sind, ist zwar sehr groß, aber auch ein solcher Zug findet sich in Napoleon, denn auch er hat sich gemäßigt und ist nicht nach Rom gegangen.“

An dieses reiche Thema knüpfte sich viel Verwandtes; bei mir selber aber dachte ich im stillen, daß auch mit Goethe die Dämonen so etwas möchten im Sinne haben, indem auch er eine Figur sei, zu anlockend, um ihm nicht nachzustreben, und zu groß, um ihn zu erreichen.


Johann Peter Eckermann (1792-1854) was een Duitse dichter en bovenal medewerker en vriend van Johann Wolfgang von Goethe. Eckermann is vooral bekend geworden door zijn opgetekende en uitgegeven gesprekken met Goethe.

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