zondag 10 maart 2013

Mareile Kneisel -- 10 maart 2009

MDR- Tagebuch von Bord der SACHSEN, Mareile Kneisel

10. März
Alarmstimmung herrschte auch heute wieder den ganzen Tag an Bord der "Sachsen".

"Mann über Bord" schallte es morgens von der Brücke. Oscar war vom Schiff gefallen, der "Lübeck" verloren gegangen, die da 1.000 Yards vor uns fuhr. Da trieb er nun in offener See und wartete auf Rettung. Knallorange, nicht gefärbt von der Sonne, sondern als Signal gedacht. Der Oscar ist aus Segeltuch, mit Styropor gefüllt und gute 80 Kilogramm schwer. Ein ganzer Kerl eben. Die Hilfe kam schnell von Steuerbord, das Speedboot ging zu Wasser und sauste los und fing Oscar ein. Fünf Minuten zittern, dann war der "verlorene Kamerad" in Sicherheit und hing alsbald wieder festgegurtet an seinem angestammten Platz. Er wird noch öfter schwimmen müssen, der arme Kerl.

Die drei Schiffe sind jeweils etwa 1.000 Yards voneinander entfernt.
Doch der Morgen war nur ein Vorglühen. Mayday, Mayday, Mayday knistert es aus dem Funkgerät, kaum dass die Mittagspause vorbei ist. Ein pakistanischer Bananenfrachter erbittet dringend Hilfe. Die M/V "Logstock" steht in Flammen. Äußerlich gleicht sie dem Einsatzversorger "Frankfurt am Main", doch die Kameraden spielen ihre Rolle gut da drüben. Hilferufe dringen vom Oberdeck herüber. 22 Leute sind an Bord, einige gefangen im Rauch. Was wo brennt, das weiß man nicht genau. Die "Sachsen" fragt beharrlich nach, die Informationen sind lebenswichtig für die Rettungstrupps, die alsbald mit zwei Booten übersetzen. Brandabwehr, Sanitäter, Material, Unterstützungtrupps - alle paar Minuten sausen die Boote hin und her. Der Decksmeister hat alle Hände voll zu tun, seine Kommandos hallen bis zur Brücke. Fast die Hälfte der Besatzung auf der "Sachsen" ist beteiligt am Manöver "Hilfe in See". Ein Handelsschiff könnte diese Hilfe kaum leisten. Es fehlt das Personal und die Logistik. Über vier Stunden lang kämpfen die Soldaten gegen das Feuer, bergen Verletzte und retten einen Seemann vor dem sicheren Tod, versorgen die Mannschaft des Frachters und basteln an der Antriebsmaschine des Havaristen. Knochenarbeit bei den Temperaturen. Schweiß gebadet ist auch die Besatzung auf der Brücke der "Sachsen", die aus der Ferne koordiniert, den Kontakt hält und sich durch die Informationsflut kämpft. Wer braucht was und wo zuerst? Wo sind die Rettungstrupps da drüben? Und mitten im Gewirr der Rudergänger, ein Ruhepol. In stoischer Gelassenheit hält er Kurs. Schließlich die erlösende Meldung von der "Logstock": Feuer gelöscht, Mannschaft und Besatzung in Sicherheit, Maschine klar. Ein glückliches Ende.


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