dinsdag 30 juni 2015

Hermann Hesse -- 1 juli 1955

Hermann Hesse (1877-1962) was een Zwitserse schrijver. In zijn gepubliceerde verspreide geschriften zijn ook wat dagboekbladen opgenomen.

1. Juli [1955]
Es ist heißer Sommer geworden, mit öfteren heftigen Gewittern, etwas launisch und wetterwendisch, aber kräftig und wüchsig, das Laub und die Kastanienblüte von gewaltiger Fülle und Üppigkeit, die Beeren überreich wie seit Jahren nicht. Ich habe das Haus verlassen, um die Augen auszuruhen und eine Weile im Freien zu sein, und stehe unten im Garten bei meinem Feuerplatz nahe der Hecke, der Fußweg liegt eine Strecke weit schwarz voll großer gefallener Maulbeeren. Ich schichte meinen Köhlermeiler zurecht, es ist viel Papier zu verbrennen, und ich meide das Haus mit etwas schlechtem Gewissen, denn es herrscht dort festliche Bedrängnis, morgen ist Geburtstag, und begonnen hat er schon vor Tagen mit Briefen in großer Zahl, Drucksachen, Bücherpaketen, und auch manche Freundesgaben sind schon angekommen; bei der Haustür steht eine Kiste mit Wein vom gesegneten Südhang des Schlosses Girsberg, es liegen Rollen da, die Zeichnungen, Radierungen und Noten enthalten, zumeist Liederkompositionen. Der schwäbische Maler Hugo Geißler hat eine schöne Zeichnung des Hauses gesandt, das ich mir vor fünfzig Jahren am Bodensee gebaut habe; die Bäume und Hecken darum sind groß geworden, doch kenne ich alles wieder und denke der Zeit, da ich in diesere neugebauten Hause und seinem neu angelegten Garten den jungen schwäbischen Dichter Martin Lang so oft als Gast und Mitarbeiter bei mir hatte. Ach, auch von ihm liegt etwas bei den vielen Postsachen, ein mir gewidmetes marchenhaftes Prosastück, aber nicht mehr er selbst hat es mir geschickt, er ist, er, der niemals krank war, neulich plötzlich davongegangen und verschwunden. Er, der Pfarrerssohn von der Schwäbischen Alb, hat damals in seiner Jugendfrische des öftern mein Leben mitgelebt und erhellt, wir haben miteinander geplaudert, gedichtet, orplidische Mythologien erfunden, im Garten gearbeitet, Wein getrunken, Feuerwerk abgebrannt und Schmetterlinge gesammelt. Wie viele Freunde hat dies Jahr mir schon genommen! Doch denke ich ihrer heute ohne Trauer, sie leben fort, sie gehen durch meine Gedanken und Traume nicht anders, als da sie lebten. [...]

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