donderdag 25 februari 2016

Albert Speer -- 26 februari 1953

Albert Speer (1905-1981) was een Duits architect en tijdens de naziheerschappij over Duitsland (1933-1945) achtereenvolgens rijksbouwmeester en minister van bewapening. Na de oorlog werd hij veroordeeld tot twintig jaar gevangenisstraf; hij hield in die periode een dagboek bij dat is gepubliceerd als Spandauer Tagebücher.

26. Februar 1953
An Neuraths Tür ein Anschlag: »Wegen seines Gesundheitszustandes erhält Nummer drei einen Armlehnsessel.« Neurath brummt: »Den brauche ich gar nicht«, aber anscheinend werden seine gelegentlichen Anfälle von Atemnot ernster genommen, ah es ihm lieb ist. Heute nachmittag wurde der Sessel geliefert. Ich traue meinen Augen nicht: er stammt aus der Reichskanzlei und wurde 1938 von mir entworfen.
Der Damast ist zerschlissen, die Politur vergangen, das Furnier zerkratzt, aber die Proportionen, besonders die Kurve des rückwartigen Stuhlbeins gefallen mir immer noch. Was für ein Wiedersehen! Wagg erzählt, daß der Sessel aus einem Möbelmagazin der Stadt Berlin geholt wurde.
Abends. Ich bin dem Zufall eigentlich ganz dankbar, der mir diese Wiederbegegnung mit einem Stück meiner Vergangenheit ermöglicht hat. Es ist überdies eine Vergangenheit, die noch ganz unbelastet ist durch Krieg, Verfolgung, Fremdarbeiter, Schuldkomplexe. Nichts Peinliches ist auch an dem Möbel selber, nichts Übertriebenes, nichts Pompöses; ein schlichter Stuhl, gute Handwerksarbeit. Ob ich das heute noch könnte? Vielleicht würde ich später Möbel lieber entwerfen als Häuser.
Erst im Nachdenken wird mir allmählich klar, daß dieser banale Stuhl in der Zelle von Neurath möglicherweise das einzige ist, was ich von meiner Arbeit jener Jahre wiedersehen werde. Die Reichskanzlei ist schon abgetragen, das Nürnberger Aufmarschgelände soll gesprengt werden, nichts anderes existiert mehr von all den grandiosen Plänen, die das architektonische Gesicht Deutschlands verwandeln sollten. Wie oft hatte Hitler mir gesagt, daß unsere Bauten noch nach Jahrtausenden von der Größe unserer Epoche zeugen würden — und nun dieser Stuhl; ach ja, und ein kleines Hauschen, das ich als Student für meine Schwiegereltern in Heidelberg baute. Sonst nichts.
Werden jene Pläne wenigstens als Idee sich behaupten? Wird in einer Darstellung über das Bauen in unserer Zeit wenigstens eine Tafel eine Arbeit von mir vorzeigen? Sicheriich, es war späte Architektur, ein nochmaliger - der wievielte? - Versuch, klassisch zu bauen. Aber das habe ich immer gesehen, es hat mich nie gestört.
Manchmal kommt es mir so vor, als ob ich ein Schlußpunkt gewesen sei; eine Art letzter Klassizist. Dies meine ich weniger vom Formalen oder Stilistischen her. Ich habe den Neuerern nie geglaubt, daß Säule und Portal heute nicht mehr erlaubt seien. Sie haben viertausend Jahre durchgehalten, und wer legt denn fest, daß sie von irgendeinem Tage an nicht mehr möglich sind?
Etwas anderes bringt diesen Stil und alle überlieferten Stile vermutlich an das Ende: die handwerklichen Traditionen sterben aus, auf denen die Formen der Vergangenheit beruhten. Es gibt keine Steinmetze mehr, die ein Gesimse aus dem Stein hauen können, bald keine Zimmerleute mehr, die eine Treppe fügen können, keine Stukkateure mehr, die ein Plafond anfertigen können. Und wenn ein Palladio, ein Schlüter, ein Schinkel in hundert Jahren kämen - sie müßten mit Stahl, Beton und Glas hantieren. Unsere Epoche, wie gut oder wie schlecht sie gebaut haben mag, war wirklich der Abschied von einer langen und ehrwürdigen Tradition. So mag es denn nicht nur ein Zufall sein, daß von unseren Planen nichts blieb: nichts als ein Stuhl.

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