vrijdag 18 januari 2013

Heinrich Justus Francke -- 18 januari 1847

Gott sei Dank! Wir haben das feste Land erreicht und liegen jetzt auf dem Missisippi sicher vor Anker. Gestern bei Tagesanbruch erblickten wir das Land. Ein Lotsenkutter brachte uns bald darauf den Lotsen, mit dessen und der Hilfe eines Dampfschiffes, das uns ins Schlepptau nahm, wir auf unseren jetztigen Ankerplatz gelangten.

Dampfboote haben das Recht, die an die Stadt zu bugsierenden Schiffe 36 Stunden warten zu lassen, um in dieser Zeit evt. noch andere Schiffe engagieren zu können. Das unsrige hat bereits, außer uns zwei andere große Schiffe zum Hinaufbringen engagiert und ist jetzt bemüht, wohl möglich noch ein viertes Schiff aufzutreiben.

Heute Mittag muß es aber am Platze sein, um uns fortzuhelfen. Diese Schleppboote sind eigentümlich gebaut. Sie haben mehrere Etagen und gleichen mehreren hübschen auf einem Floß bauten Häuschen. Sie haben 4 Schornsteine, 2 für den Rauch und 2 für den Dampf bestimmt. Alle 4 qualmen bei voller Tätigkeit der Maschinen. Ihre Kraft ist enorm, sie schleppen 4 der größten Seeschiffe gegen den Strom. Unser Schiff hinaufzubringen kostet 310 spanische Taler, damit die Dampfboote bei dem häufigen Nebel auf dem Missisippi fahren können, sind ihre beide vordersten Schorn-steine durch eine Querstange verbunden, auf welcher eine hohe Leiter ruht. Ein Matrose kann auf dieser Leiter stehend, über den Nebel hinwegsehen uns so die Richtung, die das Schiff nehmen muß, bestimmen. Von diesem Schleppbooten fahren fortwährend ca. 1 Dutzend den Strom auf und ab, so daß fast jede ½ Stunde an jedem Ort ein vorbeikeucht.

Die Schiffahrt ist hier ganz ungemein großartig. Wir haben gewiß schon mehrere hundert Schiffe, fast nur der größten Gattung angehörend, und kleinere als Schoner gar nicht gesehen. Gestern habe ich sehr bedauert, daß ich nicht ein recht gefräßiger Austernliebhaber bin. Es war ein Austernfischer an Bord gegangen und verkaufte die hundert Stück, zum ½ Dollar. Der Missisippi ist auf beiden Seiten scharf von Bäumen und Büschen begrenzt. Er ist enorm tief, 120 bis 150 Fuß an den meisten Stellen und selbst hart am Ufer gewöhnlich noch über 100 Fuß tief. Soeben passieren wieder drei Dampfboote, die jeder zwei Dreimaster auf Seite und zwei Schoner hinten nach See schleppten.

Es ist ein ungemein großartiger Anblick, wenn diese kleinen Flotten den herrlichen Strom hinunterfahren. Das Bremer Schiff „Olber", für Bremen bestimmt, war auch dabei und tauschte freundliche Grüße mit uns. Schade, daß ich diese prompte Gelegenheit nicht habe benutzen können, Euch mein Tagebuch zuzusenden.


Tagebuch eines Auswanderers. Aufzeichnungen anno 1846 im Tagebuch von Heinrich Justus Francke (1826-1878) über eine Schiffsreise von Bremen nach New Orleans.

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