zondag 19 april 2015

Willy Spatz -- 19 april 1915

Willy Spatz (1861-1931) was een Duitse kunstenaar en leraar aan de Kunstakademie Düsseldorf. Fragmenetn uit zijn dagboeken zijn hier te lezen.

Montag, den 19. April
Wieder war es ein Wetter, wie es nicht schöner sein konnte, wieder schien die liebe Sonne schon früh in unser Zimmer, wieder sangen die Vögel ihr fröhliches Morgenlied u. die Spatzen verlangten mit verstärktem Ungestüm meine kleine Frau zu sehen. Als sie ans Fenster trat, wurde sie mit jubelnder Spatzen-Begeisterung begrüßt. Dieses schöne Wetter, dieser Sonnenschein mußte ausgenutzt werden! Wir fuhren bis Krahenhöhe u. wandten uns dann nach Müngsten, bergabwärts, auf herrlichem Weg. An der ersten Vorbrücke stiegen wir abwärts auf steinigem Weg. Eine barmherzige Schwester geleitete vorsichtig einen Verwundeten denselben Weg, der unten von drei Kameraden aufgenommen wurde. Nun ging’s ins Tal, am Felsenkeller vorbei, vorbei an einer Häusergruppe, die wir links liegen ließen u. bogen um die Felsecke. Da lag das Riesenbauwerk, die Kaiser-Wilhelm-Brücke vor uns, die immer mächtiger wurde, je mehr wir uns ihr näherten. Selbst auf die Gefahr hin, in den Verdacht zu kommen, zur jetzigen Kriegszeit ein Attentat auf die Brücke zu beabsichtigen zu wollen, blieben wir einige Zeit unter der Brücke stehen u. starrten bewundernd in das Gewirre der großartigen Eisenkonstruktion aufwärts. Nun schritten wir weiter, stets der Wupper entlang, über steinigem aber prachtvollem Weg, der wohl alle zehn Minuten von einem kleinen Wasser, das von der Höhe herunter sich durch alte Steine seinen Weg sucht, unterbrochen wurde. Auf der Bank an einem Schroffen, von wo aus sich dem Auge ein herrlicher Durchblick wupperaufwärts u. -abwärts bot, machten wir kurze Rast u. genossen den unbeschreiblich schönen Anblick der allerwärts keimenden Natur! Am Wiesen-Kotten gings über die Wupper hinüber auf’s linke Ufer, dann marschierten wir durch die Sägemühle. Ueber den Weg ragte ein Schild mit folgender Aufschrift:
„Wanderer, laß es dir sein gesagt:
Wir haben die Wupperverseucher verklagt,
Daß die Luft werde rein und der Fluß wieder klar,
Bring zum Prozeß eine Gabe dar.“ (Bergischer Heimatschutz).
Auch wir warfen gerne unser Scherflein in den Geld-Sammelkasten. Ein Blick auf die Wupper mit ihrem häßlichen, bleischwarzgrauem Wasser, dessen Farbe seine Entstehung den Abwässern der Elberfelder u. Barmener Fabriken verdankt, sagte uns zur Genüge, wie berechtigt jener Spruch ist! Nur noch eine kurze Strecke Weg’s u. wir kamen wieder in das freundlich-leuchtende Städtchen Burg an. Wieder gings über die Moosgasse zum Schloß hinauf u. unsere Augen suchten noch einmal das herrliche Tal, das wir durchwandert hatten. Im Schloß fanden wir nun reichlich Gelegenheit, unsern großen Durst, der sich tüchtig entwickelt hatte, zu stillen. Vorher wechselten wir noch einige Worte mit dem freundlichen Pfarrer, der in seinem Garten tätig war. Dort stand noch immer der berühmte Baum, in dessen Krone für fünf Menschen ein Natursitz gezogen ist, zu dem eine kleine Leiter hinaufführt –
Noch immer lachte uns die liebe Sonne! Drum den Nachmittag zu einer neuen Wanderung benutzt! Kurz nach dem Mittagessen, begaben wir uns über den breiten Fahrweg vom Schlossberg hinunter in’s Eschbach-Tal, und genoßen unterwegs die stets wechselnde, prachtvolle Aussicht. Dann umfing uns das liebliche Eschbach-Tal mit seinem ganzen Zauber. Vorher, auf dem Fahrweg, hatte ich meiner lieben Frau die Stelle gezeigt, wo ich vor Jahren überfallen worden war, am Steinbruch. – Langsam schlenderten wir voran u. erquickten uns mit tiefen Zügen an der wundervollen frischen, warmen Luft. So gelangten wir, vorbei an mehreren alten Hämmern, zur Wirtschaft zum „Alten Hammer“ mit den mächtigen alten Linden vor dem Haus u. dem großen Staubecken. Es war dort ein zu gemütlicher Aufenthalt, der Kaffe, wie immer im Bergischen Land vorzüglich u. es wurde uns schwer, sich von dieser schönen Stelle zu trennen. Die Wirtsfrau (Frau Hake) befragten wir um das Nähere wegen des Weges den wir zu wählen gedachten. Sie erzählte uns, dass sie aus dem Hause gebürtig sei; sie musste demnach hier schon 35 Jahre, denn für so alt schätzten wir sie, im „Alten Hammer“ wohnen. Sie sprach davon, daß wir nach etwa 20 Minuten an das Gehöft Sellscheidt gelangen würden u. daß wir als dann einen Weg zur linken Hand einschlagen müßten.
Wir verabschiedeten uns u. stiegen den Weg bergan, zuerst durch ein Tal von seltener Schönheit u. malerischem Reiz! Nach 25 Minuten gelangten wir in ein Dorf von etwa 100 Häusern, von einem alleinstehenden Gehöft war aber nichts zu sehen: Es war das Dorf Sellscheid, das also die Frau Wirtin, obschon sie seit 35 Jahren dort wohnte, noch nie in ihrem Leben gesehen hatte! Auf unser Befragen fanden wir den Hohlweg, der uns auf die Höhe führte u. nach einer weiteren halben Stunde mündete unser Weg auf die Landstraße von Wermelskirchen nach Oberburg, den wir schon gestern gegangen waren: Rüstig schritten wir voran. Die blutrote Sonne im Dunst vor uns, und bald lag auch die ganze Burg in leichten, blauigen Abendnebel vor uns. Wir wanderten durch das Grabentor u. obschon etwas müde begaben wir uns zu einer kurzen Rast nach „Bleckmann“ in die Wirtschaft „zur schönen Aussicht“. Mancherlei Gespräche führten wir mit der wackeren Wirtsfrau. Unter anderem erfuhren wir von ihr, daß 14 Wirte aus der Nachbarschaft ihre Wirtschaften geschloßen haben u. nun im Alexanderwerk in Remscheid als Arbeiter tätig sind. Unseren Unterhaltungen lauschte mit hochmütiger Haltung ein Schüler in bunter Mütze zu, der hoch-wichtig seine „Zarette“ rauchte u. uns tief zu bedauern schien, daß wir es noch nicht bis zur Sekunda gebracht hatten. Als sich aber Frau Bleckmann von uns verabschiedete mit den Worten: „Auf Wiedersehen Frau und Herr Professor!“, da wurde seine Haltung eine ganz andere u. rasch verschwand die „Zarette“. Er hielt mich wahrscheinlich für einen Gymnasial-Professor. Es war bereits recht dunkel geworden, als wir im nahem Schloß anlangten, wo wir unausgesetzt unsere Gedanken über all das Schöne austauschten, das wir heute gesehen hatten, bis wir uns über die verzwickten Wandelgänge zur Ruhe begaben –

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