maandag 12 juni 2017

Bertolt Brecht -- 13 juni 1921

Bertolt Brecht (1898-1956) was een Duitse schrijver. Dagboeknotities van hem zijn gepubliceerd in Tagebücher 1920-1922.

Montag, 13.
Alles wieder Panorama.
In diesem Land sind die Farben schlecht. Es ist alles graue, oft gewaschene Tinte. Wenn sie einmal einen roten Mond hineinbringen, hat man nicht genug Naivität, ruhig zu bleiben. Daher sollte wenigstens der Schnaps umsonst sein. In einem Land mit solchen Farben sollte der Schnaps nichts kosten.

Vor einer Woche die Marianne. Wir reden zuviel. Nachts bin ich müd und schlafe, sie aber wacht, sitzt auf dem Sofa in der Hölle und weint über meine gestorbene Liebe. Ich halte, aufgeweckt, eine Rede darüber, daß sie R[echt] wieder alles verheimlichen, dann entfliehen will oder was sonst? Sie bereut, sie will R[echt] gestehen, sie fährt zuversichtlich ab und schreibt einen eifersuchtstollen Brief drei Tage später: sie wolle überhaupt allein in die Welt.

Mitunter halte ich mich in der Pinakothek auf. Jetzt wird es mir übel vor dem Fleischbazar der Rubensorgien. Davon hatte ich selber zuviel intus, muß aber zum Tizian kommen. Hier ist so gedunkelter Prunk, ein satter Goldton, balsamische Ruhe bei starker Kraft und die Monumentalität des Shakespeare. Man sollte doch irgendwo ein gelbes Haus gründen, wie van Gogh meint, in das man Leute mit Ideen und Wuchs zusammenpfercht, die dann sehen müssen, wie sie miteinander zurechtkommen. Etwas so Gesellschaftliches wie Theater läßt sich nicht von einzelnen Punkten aus in Angriff nehmen, hier braucht man vernünftiges übereinkommen.

Freitag, 17.
Als ich heut vor dem Spiegel Kirschen fraß, sah ich mein idiotisches Gesicht. Gegen die geschlossenen, schwarzen Kugeln, die im Mund versanken, wirkte es noch ungebundener, lasziver und widerspruchsvoller. Es hat viele Elemente von Brutalität, Stille, Schlaffheit, Kühnheit und Feigheit in sich, aber nur als Elemente, und es ist abwechslungsvoller und charakterloser als eine Landschaft unter wehenden Wolken. Deshalb können viele Leute mein Gesicht nicht behalten (»es sind zuviele«, sagt die Hedda).
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