dinsdag 11 december 2012

Bertolt Brecht -- 11 december 1921

11.
Großmann hat an Kahane geschrieben, ich an Reinhardt. Jetzt kann ich zu den >Traumspiel<-Proben. Sie dauern von 1/2 11-? Um 4 Uhr gehe ich. Dabei spielt Klöpfer den Juristen und macht etwas Ungeheures daraus. - Warschauer macht mit A. Engel vom Oswaldfilm aus, ich müsse poussiert werden. Kiepenheuer - bei dem ich zum Tee bin - schiebt mich in den Terra-Film. Reiß und Kiepenheuer haben mir Vertragsentwurf gegeben. — Feilchenfeldt [hat] mich zu Cassirer eingeladen. - Die He ist Samstag vor einer Woche mit zu Kasack gefahren; unterwegs hat sie sich eine grobe Dickhauterakroba-tik geleistet, worauf ich verstummte und sie in Potsdam umkehrte. Ich sah sie noch den Bahnsteig hinunterlaufen, in Braun, klein, schief, hastig, mit zu großem Kopf; dann sah ich sie nicht mehr. - Einmal sind wir abends in einem Atelier viele Leute. Ich betrinke mich frühzeitig, fülle mich mit Branntwein, Rotwein, Likör, steige zur Decke des Zimmers auf, kann mich nicht mehr an Lieder erinnern. Klabund singt, am Klavier, Soldaten- und Hurenlieder, tanzt, erwehrt sich mühsam der Weiber, die verschossen in ihn sind, die schwarze Pelzgarnitur darunter. Mir werden die Zähne nach keiner lang. Esther, die Rose von Saron, tragt leichtfüßig, aber ritisch ihren Assyrierkopf durch das rauchige Nachtlokal, eine Malaiin tanzt mit mir wie eine Hure, wir fallen auf den Kohlenkasten, dann singt sie mit einer tiefen verrauchten Alt-stimme in der Höhe der Herzspitze französische Chansons, Couplets mit Steißbegleitung, und dann tanzen H. E. Jacob und ich den Tanz der (Sofakissen-)Buckligen. Einmal sitzt Klabund still da, hort mir zu, wie einer, der schon Mantel und Hut anhat, keinen Reiseplan, kein Geld, kein Interesse an beidem und nur noch zuhört: Es sind die ersten barbarischen ungeschlachten Lieder der Neuen Zeit, die aus Gußeisen ist. Ein Mitarbeiter der Aktion und Mitarbeiter an einer über und über bemalten Flitterwochenrevue von Frau spritzt dünn und sorgfaltig Galle und treibt rationell Unzucht mit dem Wort »Scheißkopf«. Jacob, ballhaft, Pausbäckchen, Kirchenposaunenengel, die weiche Pastete mit Pflaumenmus, veräppelt meine gerollten Rs, versichert mir immerfort: Sie sagen immerfort Becht, es heißt Brrrecht, ebenso wie es Girrtarre heißt und Jarcob! Er hat ein feuchtes Äuglein in ein Rotwein-glas rollen lassen: ein roter Tropf hangt an seiner Nase. Gegen 4, im schwanken Holzpferdekasten, spiele ich noch die Gitarre und singe. Dann setzt sich die verehelichte Grete von der Kapp-Putschzeit gegen mich und sagt: »Von Ihnen allein könnte ich es erfahren. Sagen Sie mir es: Was ist die vierte Dimension? « – »Ja. Das ist die Hauptsache! Aber jetzt kann ich nicht weil ich getrunken habe.« - »Ja, jetzt können Sie nicht.« -


Bertolt Brecht (1898-1956) was een Duitse schrijver. Dagboeknotities van hem zijn gepubliceerd in Tagebücher 1920-1922.

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